Die westliche Bartagame Pogona minor minor (Sternfeld, 1919)























Einleitung


Im deutschsprachigen Raum wird Pogona minor minor allgemein als westliche Bartagame bezeichnet. Im angloamerikanischen Raum ist der Trivialname Dwarf Bearded Dragon üblich.


Systematik und Taxonomie


Die Verbreitung und der Lebensraum


Das Verbreitungsgebiet von Pogona m. minor konzentriert sich auf den kompletten östlichen und südlichen Küstenabschnitt des Bundesstaates “Western Australia“. Von der westlichsten Region “Great Southern Coastal“ über die Great Victoria-, Little Sandy- und Gibson Wüste bis zum südlichen “Pilbara“ mit der Great Sandy Wüste. Im zentralen und östlichen West- Australien ist die Population geringer. Pogona minor wurde außerdem im südwestlichen Bundesstaat “Northern Territory“, sowie im westlichen und zentralsüdlichen Bundesstaat “South Australia“ nachgewiesen.


Im westlichen Küstenabschnitt kommt Pogona m. minor einschließlich der folgenden Inseln vor: (Badham  1976, Storr  1982, Witten  1994a)


  1. Dirk Hartog Island (Shark Bay World Heritage Area)

 

  1.   Die Insel ist etwa 80 km lang und zwischen 3 und 15 km breit (größte Insel West-Australiens).

  2. Ausgeprägte Dünen- und Buschlandschaft mit weißen Sandstränden.

  3. Etwa 850 km nördlich von Perth.

  4. UNESCO Welterbe.

 

  1. Barrow Island (Pilbara)


  1. 202 km2 umfassende Insel, etwa 60 km nordwestlich der Küste von Western Australia (zweitgrößte Insel West- Australiens).

  2. Spinifex Gras (Triodia spp.) prägt die Landschaft, durchsetzt von Termitenhügeln.

  3. Die Landschaft unterscheidet sich nicht zu der Pilbara Küste.


> Salutation Island (Shark Bay World Heritage Area)


Pogona m. minor bewohnt vielgestaltige, unterschiedliche Lebensräume. So ist sie in mäßig warmen Dünenlandschaften (in Küstennähe), ebenso wie in extrem trockenen Wüsten verbreitet. Allgemein lässt sich der Lebensraum als lichter, steppenartiger Busch und Trockenwald bezeichnen. Exemplare von P.  m. minor waren entlang einer geteerten Straße, inmitten Eukalyptusbeständen, zwischen Mt. Magnet und Yalgoo anzutreffen (Hauschild  2003, Köhler, Grießhammer, Schuster  2003). Die Vegetation des Lebensraumes variiert je nach Verbreitung. So gibt Piaka (2005) an dass die Vegetation in der “Great Victoria Desert“ hauptsächlich aus Spinifex Gras (Triodia sp.) und einigen Eukalyptusarten (besonders Eucalyptus gonglyocarpa) besteht. Daneben sind Büsche der Gattung Eremophila, Grevillea, Hakea und Thryptomene anzutreffen. Smith (1976) gibt an das P.minor auf der Insel “Barrow Island“ die Zweige von Hakea lorea und Acacia bivenosa zum ruhen bevorzugt. Spinifex Gras (Triodia sp.) prägt die Lanschaft.



























Die Lebensweise und das Verhalten


Pogona m. minor hält sich anscheinend gerne in niedriger Vegetation auf. Dabei erklettern die Tiere Büsche und Bäume bis in eine Höhe von 100 - 200 cm.

Die Agamen verschaffen sich nicht nur ein größeres Sichtfeld um Feinde zu erspähen, sondern kontrollieren hierdurch auch ihren Wärmehaushalt. Sie entgehen somit den extrem hohen Oberflächentemperaturen. Trotzdem sie im Geäst der Sonne teilweise komplett ausgesetzt sind, finden sie bedingt durch eine bessere Luftbewegung niedrigere Temperaturen vor. Piaka (2005) fand in der “Great Victoria Desert“ 41% der 81 Pogona m. minor in der Vegetation sitzend vor. Ihre graue und hellbeige Körperfärbung lässt die auf dem Geäst  bewegungslos verharrenden Agamen mit Ihrer Umgebung verschmelzen. Die Tiere verlassen sich auf ihre Tarnung und flüchten erst im letzten Moment. Bei Annäherung pressen sie sich flach an den Stamm. Unterschreitet man den Mindestabstand von einem Meter, lässt sich die Agame einfach fallen und verschwindet im Gras (Hauschild & Bosch 2003, Köhler, Grießhammer, Schuster  2003). Ein ähnliches Verhalten schildert Smith (1976) von der Insel Barrow, auf der P. m. minor vorwiegend im Geäst von Hakea lorea und Acacia  bivenosa anzutreffen war. In die Enge getrieben, wendet sich die Bartagame dem Angreifer entgegen und versucht zu beißen, bevor sie erneut zu flüchten versucht (Ehmann, 1992). „Werden die Tiere gejagt, dann flüchten sie recht unbeholfen“ (Piaka, 2005). Pogona m. minor ist ganztägig aktiv. Im Winter reduziert sich ihre Aktivität auf die Mittagsstunden.


Morphologie


Pogona m. minor ist eine mittelgroße Bartagame mit dorsoventral abgeflachtem Körper. In Ihrer Gestalt ähnelt sie einer schlanken und zierlicher wirkenden Pogona barbata. Im Verhältnis zur Gesamtlänge besitzt P. m. minor einen deutlich längeren Schwanz als P. barbata. Zudem fehlen horizontal verlaufende Stachelschuppen auf der Kehlhaut (Hauschild & Bosch, 2003). Weibchen werden größer und schwerer als Männchen (Pianka, 2005). Der längliche Kopf ist deutlich vom Körper abgesetzt und weist eine relativ geringe Bestachelung auf. Der Bart kann nicht aufgerichtet werden. Lateral des Rumpfes verläuft eine regelmäßige Stachelschuppenreihe. Die Mundschleimhäute sind gelb. Nachzuchten weisen interessanter Weise eine rosa gefärbte Mundschleimhaut auf (Köhler, Grießhammer, Schuster, 2003). Zwischen Auge und Ohröffnung verläuft ein breiter dunkler Streifen. Oberhalb des Schultergelenks (in Höhe der dreieckigen Ohröffnung) sitzt ein dunkler Fleck, welcher bei Jungtieren deutlicher ausgeprägt ist als bei adulten Exemplaren. Der relativ lange Schwanz weißt eine gebänderte Zeichnung auf. Die Körperfärbung reicht von einem Beige über Grau und Braun bis zu schwarzen Nuancen. Beidseitig entlang der Wirbelsäule verläuft ein helles Rautenmuster. Die Kehle ist dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Die Unterseite ist schmutzig weiß / hellgrau (mit oder ohne Ozellen), bei Männchen während der Paarungszeit schwarz (Manthey & Schuster, 1992). Beim sonnen und damit erreichter Aktivitätstemperatur zeigt Pogona m. minor eine schöne gelbe Färbung. Bei Störung verfärben sie sich dunkelgrau. Je nach geografischem Vorkommen gibt es anscheinend Unterschiede in Färbung und Anatomie. Im Nordosten ist Pogona minor kräftiger und größer gebaut als in den anderen Regionen. Die Färbung dieser Exemplare enthält weniger grau, dafür mehr braun-Töne (Badham, 1976). Schuster (2003) stellte zudem fest, dass Exemplare aus der Gegend von Geraldton und Mullewa* relativ langschnäuzig und langschwänzig sind. Die Männchen wiesen hier eine Gelbfärbung an Kopf und Flanken auf. Tiere aus der Umgebung von Norseman* hingegen erscheinen kompakter mit breiteren Köpfen (besonders bei Männchen). Die Kopfbestachelung ist hier besonders stark ausgebildet. (Köhler & Grießhammer & Schuster, 2003)




























Geschlechtsdimorphismus & Fortpflanzung


“Zur Geschlechtsbestimmung kann man den relativ längeren Kopf der Männchen heranziehen“ (Pianka, 2005)


  1. Weibchen werden größer und schwerer als Männchen.

  2. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife bei einer KRL von etwa 90 mm (mit circa 2 Jahren).

  3. Männchen erreichen die Geschlechtsreife bei einer KRL von etwa 80 mm (mit circa 2 Jahren).


Natürlich greifen auch hier die für Bartagamen üblichen Geschlechtsdimorphismen.

 

Die Agamen pflanzen sich im Frühjahr fort. So können trächtige Weibchen von Mitte Juli bis Ende Dezember gesichtet werden. Ein Weibchen legte schon Anfang September mitten in Perth ein 5 Eier umfassendes Gelege in einem etwa 20 cm tiefen, selbstgegrabenem Loch (Browne & Cooper, 1984). Pro Saison werden zwischen September und Februar 2-4 Gelege abgesetzt (Greer  1989, Bush  1995, Bradshaw  1981). Die Gelegegrößen variieren je nach Fundort und Autor zwischen 2 und 12 Eiern (Browne & Cooper  1984, Greer  1998, Bush  1992, Pianka, 2005). Die Gelegegröße hängt von der Größe des Weibchens ab, so produzieren größere Weibchen mehr Eier (Pianka, 2005).


Unmittelbar nach der Eiablage vermisst und wiegt Bush (1992) die Eier:


  1. 20-25 mm lang

  2. 12-14 mm im Durchmesser

  3. 1,85g - 2,86g Gewicht


Inkubationstemperatur:


  1. 25°C - 72-82 Tage    

  2. 30°C - 45-54 Tage


Frisch geschlüpfte Tiere weisen eine KRL von 32-37 mm auf, bei einem Gewicht von 1,7-2,9g. Die Jungtiere scheinen recht schnell zu wachsen. Bei Hauschild & Bosch (2003) kann man eine interessante Tabelle einschauen, die Erfahrungen verschiedener Terrarianer bei der Pflege und Zucht von Pogona m. minor dokumentiert.

                                                  

Ernährung


Wie alle Bartagamenarten ernährt sich P. m. minor omnivor. Im vergleich zu anderen Arten wird allerdings nur ein geringer Teil an pflanzlicher Nahrung verspeist. Insekten stellen etwa 79% ihrer Nahrung dar (Pianka, 2005). Erbeutet werden diverse Käfer (17,3%), Termiten (11,7%), Insektenlarven (8,1%), Heuschrecken (30%) Ameisen, Wespen, Gespenstschrecken und Schaben (Pianka, 2005). Bei 98 Exemplaren führte Eric R. Pianka Magenuntersuchungen durch, um Rückschlüsse auf das Nahrungsspektrum zu ziehen.   


Natürliche Feinde


Warane der Arten Varanus tristis und Varanus gouldii, Greifvögel, Katzen und Füchse. Auch die Aborigines (Australischen Ureinwohner) bejagen Pogona m. minor (Pianka, 2005).


Terrarienhaltung


Adulte Tiere können als Gruppe oder Pärchen gehalten werden. Nach der Winterruhe erfolgen erste Paarungen. Die Weibchen können mehrere Gelege pro Saison produzieren (2-4). Jungtiere sollten einzeln aufgezogen werden. Die Ernährung ist identisch zu anderen Pogona Arten, wobei der tierische Anteil überwiegt (etwa 80%). Analog ihrem Verhalten im natürlichen Lebensraum sitzen die Tiere gerne auf Ästen und Zweigen (Hauschild & Bosch, 2003).



Literatur speziell über P.minor :


BROWNE-COOPER, R. (1984): Notes on the reproduction of the bearded dragon Pogona minor. Herpetofauna 15(2): 49.


HARLOW, P.S., D.J. PEARSON AND M. PETERSON (2002): Reproduction and egg incubation in the Western Beareded Dragon, Pogona minor. Western Australian Naturalist 23(3): 181-185.


STORR, G. M. (1982): Revision of the bearded dragons (Lacertilia: Agamidae) of Western Australia with notes on the dismemberment of the genus Amphibolorus.', Records of the Western Australian Museum, 10: 199-214.


THOMPSON, S. A. AND G. G. THOMPSON (2003): The western bearded dragon, Pogona minor: An early lizard coloniser of rehabilitated areas. Journal of the Royal Society of Western Australia 86: 1-5.


Pogona m. minor - Kalbarri National Park/Western Australia

S27°39'58.15   E114°23'35.94

Foto: Thomas Bader

Pogona m. minor - Kalbarri National Park/Western Australia S27°39'58.15   E114°23'35.94

Foto: David Fischer

Pogona m. minor - Nahe Cue/Western Australia

S27°25'23.16   E117°53'56.27

Foto: Dean Bradshaw